22.08.08
Welchen Bedingungen war der Zugang von Frauen im öffentlichen Raum unterworfen? Barbara Belisak geht dieser Frage in ihrer Diplomarbeit „Lasst uns das Wort ergreifen, lasst uns handeln…Das politische Agieren der Frauen in der Französischen Revolution zwischen 1789 und 1795. (Wien 1999), nach. Figuren von Frauen waren meist Allegorien, Mütter oder Jungfrauen, die wallende Gewänder trugen, die in antiken Gesellschaften Keuschheit symbolisierten. Das Verhältnis zur Weiblichkeit war während der Revolution ein äußerst ambivalentes, einerseits wurde die aktive Rolle der Frau betont und hervorgehoben, die Frau als egalitäres Mitglied der Gesellschaft, die eine wichtige Rolle für das Gelingen der Revolution spielte, gewürdigt, andererseits widersprach der egalitäre Ansatz absolut der neuen „natürlichen“ Ordnung, der das klassische Familienmodell zugrunde lag. Die Frau wurde darin auf die Reproduktionsrolle reduziert, die sich der männlichen Autorität und dem männlichen Schutz zu unterstellen hatte. Bildung für Frauen wurde als überflüssig angesehen, wiewohl viele Frauen und Frauenvereine eine umfassende Bildung und Erziehung von Frauen forderten, denn wie Madame Mouret in ihren „Annales de lèducation du sexe“ forderte, sei eine umfassende öffentlich organisierte Erziehung mit politischem Schwerpunkt unerlässlich, denn nur so könnten Frauen ihren Aufgaben in der Familie und der Gesellschaft nachkommen. Sie forderte sogar den Zugang zu einer akademischen Karriere. In den ersten Jahren der Revolution wurde ein allgemeiner, kostenloser Elementarunterricht für Mädchen gefordert, um politisch mündige Bürgerinnen heranzuziehen. Der Analphabetismus lag bei 80 Prozent. Trotzdem wurde die allgemeine Schulpflicht bald wieder abgeschafft. Vor allem die revolutionären Republikanerinnen stellten politische Forderungen, insbesondere das Bürgerrecht für Frauen. Olympe de Gouges kämpfte ebenfalls für die gleichen Bürgerrechte und Bürgerpflichten. Als 1793 das tragen der Kokarde auch für Frauen verpflichtend vorgeschrieben wurde, glaubten viele von ihnen an eine Aufwertung ihres Status als Bürgerin. Diese Hoffnung sollte sich als trügerisch erweisen, denn bereits 1793 wurden alle Frauenklubs und Frauenversammlungen wieder verboten.
Am 24. Mai 1795 wurde der Ausschluss der Frauen aus dem öffentlichen Bereich per Dekret besiegelt. Den Frauen wurde vorgeschrieben, nach Hause zurückzukehren und über politische Ereignisse zu schweigen.
Die Symbolik sollte die neue Ordnung repräsentieren, die als ein Ergebnis der Ordnung der Natur hervorging. Die weibliche Biologie wurde mit der Natur gleichgesetzt, der weibliche Körper stand als Zeichen für die Ordnung und Verwirklichung der Natur in der neuen Gesellschaft. Frauen wurden aus dem öffentlichen Raum verbannt, sie sollten sich wieder ihrer „natürliche“ Bestimmung besinnen, Kinder zu gebären und den Haushalt zu führen. Dass viele Frauen arbeiten mussten, um ihre Familien zu ernähren, und somit ihrer „ureigenen Bestimmung“ nur in beschränktem Ausmaß nachkommen konnten, wurde außer Acht gelassen. Die Utopie einer Gesellschaft in der „Feiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit“ für alle Mitglieder dieser Gesellschaft gleichermaßen Gültigkeit hätte, wurde begraben. Es sollte noch lange dauern, bis Frauen wenigstens das Recht auf Bildung und politischer Partizipation zugesprochen wurde.
Am 24. Mai 1795 wurde der Ausschluss der Frauen aus dem öffentlichen Bereich per Dekret besiegelt. Den Frauen wurde vorgeschrieben, nach Hause zurückzukehren und über politische Ereignisse zu schweigen.
Die Symbolik sollte die neue Ordnung repräsentieren, die als ein Ergebnis der Ordnung der Natur hervorging. Die weibliche Biologie wurde mit der Natur gleichgesetzt, der weibliche Körper stand als Zeichen für die Ordnung und Verwirklichung der Natur in der neuen Gesellschaft. Frauen wurden aus dem öffentlichen Raum verbannt, sie sollten sich wieder ihrer „natürliche“ Bestimmung besinnen, Kinder zu gebären und den Haushalt zu führen. Dass viele Frauen arbeiten mussten, um ihre Familien zu ernähren, und somit ihrer „ureigenen Bestimmung“ nur in beschränktem Ausmaß nachkommen konnten, wurde außer Acht gelassen. Die Utopie einer Gesellschaft in der „Feiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit“ für alle Mitglieder dieser Gesellschaft gleichermaßen Gültigkeit hätte, wurde begraben. Es sollte noch lange dauern, bis Frauen wenigstens das Recht auf Bildung und politischer Partizipation zugesprochen wurde.
dietaeder - 22. Aug, 10:55
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